"Wiedergefunden"

Missy1988

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Tja, meine Lieben. Schade ist es, dass der Wettbewerb nicht stattfinden konnte, aber natürlich möchte ich euch nicht Nonunas wundervolle FS vorenthalten, die sie (als einzige) für den WB geschrieben hat. Da ich die Protagonistin aus persönlichem Grund sehr gut verstehen kann, wäre sie wohl auch mein Favorit geblieben.*gg*
Aber lest einfach selbst und vielleicht mögt ihr ja trotzdem einen Kommentar zu der FS abgeben. Verdient hat sie es auf jeden Fall.

Zum Thema "Wiedergefunden" hier nun also Nonuas FS:


Der rote Schal

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Wieder einmal war der Moment gekommen: Wir mussten Abschied nehmen. Ich stand am Flughafen, das Gepäck längst eingecheckt, und lag in seinen Armen. Der warme Duft seiner Haut liess Tränen in meine Augen schiessen. Wie lange werde ich ihn dieses Mal nicht wiedersehen?

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Ich nehme mir immer vor, nicht zu weinen. Doch nie gelingt es mir. Zu falsch scheint es mir, auseinander gehen zu müssen. Ich hasse Fernbeziehungen! Er bemerkte meine Tränen und küsste sie mir sanft von den Wangen. „Du musst jetzt aber wirklich gehen, sonst verpasst du deinen Flieger“, murmelte er.

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Widerwillig löste ich mich aus seiner Umarmung. Ich wusste, dass er recht hatte. Mein anderes Leben rief. Morgen musste ich wieder zur Vorlesung.
Er nestelte an seinem Schal, zog ihn von den Schultern und legte ihn mir um den Hals. „Hier, damit du nicht vergisst, dass ich immer bei dir bin!“ Dann küsste er mich noch einmal und schob mich sanft aber bestimmt Richtung Sicherheitskontrolle.

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Viele Tage sind seit dem schleichend vergangen. Meine Finger streicheln den weichen Stoff des Schals um meinen Hals. Hier sitze in nun im Bus zur Uni und vergrabe meine Nase in das Halstuch meines Geliebten. Es riecht noch so stark nach ihm.

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In Erinnerungen versunken zähle ich im Kopf die Tage bis wir uns wiedersehen werden. Weihnachten. Noch fast 2 Monate. Warum gewöhnt man sich auch nach so vielen Abschieden nie ganz an die Zeit der Entbehrung?
Der Bus zischt und reisst mich aus den Gedanken.

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Beinahe hätte ich meine Station verpasst! Erschrocken stürze ich durch die Tür kurz bevor sie sich wieder zischend hinter mir schliesst. Keuchend stehe ich in der Kälte und schelte mich selber: Ich sollte mir die Träumerei wirklich abgewöhnen!

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Ich bin kaum ein paar Schritte durch die Kälte gegangen, als ich es bemerke. Erschrocken fahre ich mit der Hand an meinen Hals: Der Schal! Er ist weg! Mein Herz pocht laut als ich mich umdrehe und gerade noch die Rücklichter des Busses in der Ferne verschwinden sehe.

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Schrecken durchmischt sich mit einer plötzlichen tiefen Trauer um den Verlust eines Gegenstandes, der eine geliebte Person symbolisiert. Wie angewurzelt stehe ich verloren am Strassenrand und starre die Häuserecke an, an der der Bus aus meinem Blickfeld verschwunden ist.

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Ein kühler Wind streicht um meinen ungeschützten Hals. Ich bin kurz davor, in Tränen auszubrechen. „Reiss dich zusammen und denk nach!“, ermahne ich mich. Der Busfahrer wird den Schal bestimmt finden und aufs Fundbüro der Verkehrsbetriebe bringen. Oder vielleicht gibt ein Fahrgast ihn dort ab.

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„Vielleicht behält der Fahrgast ihn aber auch...“, schiesst es mir durch den Kopf. Ich kämpfe gegen den Impuls an, den Bus hinterher zu laufen. Ich würde ihn doch nicht einholen. In meinem Kopf formen sich jedoch schon Bilder fremder Personen, die meinen geliebten Schal um den Hals tragen.

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Von der steigenden Verzweiflung getrieben irrt mein Blick der Strasse entlang – und bleibt an der Bushaltestelle gegenüber hängen. Ein Hoffnungsschimmer verdrängt die Trauer einen kurzen Moment. Der Bus muss irgendwann wieder zurück kommen!

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Ich eile über die Strasse. In meinem Geist fahre ich die Route des Busses ab. Wie lange wird es dauern, bis er wieder hier vorbei kommt? Zitternd vor Erwartung stelle ich mich an die Bushaltestelle und starre in die Gegenrichtung in der Hoffnung, der Bus würde sofort um die Ecke kommen.

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Da ist er! Zischend hält er direkt vor meiner Nase und ich dränge mich zur Tür. Kaum sind die Fahrgäste ausgestiegen stürze ich in den Bus und suche mit dem Blick die Sitze ab. Mein Herz scheint stehen zu bleiben: Der Schal ist weg.

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Irritiert starren mich die Passagiere an, als ich auf Hände und Knie falle. Der Bus hat sich bereits wieder in Bewegung gesetzt, doch ich verschwende keinen Gedanken daran. Fieberhaft lasse ich den Blick über den Boden schweifen. So schnell gebe ich die Hoffnung nicht auf! Ist es überhaupt der richtige Bus?

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Da! Ein wohlbekanntes Stück Stoff lugt hinter einem Sitz hervor. Mir entfährt ein erstickter Jubelschrei. Ich stürze mich förmlich auf den Schal, hebe ihn vom Boden hoch, und drücke ihn an meine Brust. Die Erleichterung strömt durch meinen Körper und ich lasse mich erschöpft auf einen Sitz fallen. Ich kann mein Glück nicht fassen, als sich meine Finger in den feinen Strickstoff vergraben. Prüfend versenke ich meine Nase in das Tuch und lächle zufrieden. Es riecht immer noch nach ihm...



Danke dafür, Nonuna!:)
Und für die Leser heißt es jetzt: Bahn frei für die Kommentare!

Ganz liebe Grüße
Eure Miss(y):hallo:
 

Tilli

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Wie bitte, seit einer Stunde kein Kommentar? Das muss ich schleunigst ändern :D

Ich finde deine Geschichte sooo schön gefühlvoll geschrieben, ich konnte mich richtig gut in die Hauptperson reinversetzen. Die Handlung an sich mag ich auch =) Die Bilder finde ich auch super. Eine gute Idee, die Sims vor einen echten Hintergrund zu setzen :D Ich liebe das Bild, bei dem sie auf Händen und Füßen nach dem Schal sucht, mit diesem verbissenen Gesichtsausdruck :lol:
Super, Nonuna :up:
Liebe Grüße, Tilli :hallo:
 

Ricki

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Ui sehr schön. Ich hab auch immer Angst, dass ich irgendeinen geliebten Gegenstand verlieren könnte und kann mich wunderbar in die Person hineinversetzen. Auch die Bilder sind alle ganz gut, auch wenn der Bus etwas lustig aussieht, aber mit Sims geht das auch schwer.
Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch: Teilweise habe ich das Gefühl, dass Bild und Text nicht unbedingt perfekt zusammenpassen.

Grüße
 

carlamausi

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So ein kleines mini Bauerkaff^^
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Hey super Story,
auch echt gut gemacht mit den Bildern einügen und so, ich würde sowas nie können ... und ich denke, wenn mehr Leute mitgemacht hättest, hättest du auf jeden Fall gewonnen. Ja das hört sich jetzt schleimerig an, aber ich meine des wirklich so =)

:ciao: eure carlamausi
 

Ivaine18

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oh nonuna, die geschichte ist sooo schön!
Kann das total nachfühlen das sie so hektisch wird, mein freund ist auch weit weg und jeder fetzen stoff von ihm bei mir ist mir sehr wichtig!
Einfach super die geschichte!
Danke

Ivaine18
 

nasenbaerchen

Member
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Ort
Zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und der
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Huhu,
die Geschichte ist super und ich denke das so ziemlich jeder sie nachvollziehen kann.
Was mich ein wenig gestört hat und da gebe ich Ricki Recht ist das zum mindestens bei den letzten 2-3 Bildern Text und Bild nicht ganz aufeinander abgestimmt sind... Schade...!
Aber die Bilder sin echt super genauso wie der Text, man kann den Text gut verfolgen und der Aufwand der Bilder ist ein Lob wert *Schokotafel an Nonuna vergebe*
Aber [ja ich schleime gerne...*lacht*] es gibt ja eh nicht viel, was Nonuna nicht kann, oder doch? *Nonuna anschau*

So ihr Lieben schönen Samstag noch, ich werde meine Wohnung und meine Kater mal weiter von Flöhen befreien...

LG bärchen
 

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